Logistica gigantesca – Schwertransporte als logistische Meisterleistung

Abbildung 1: Wenn gigantische Transporte über die Straße rollen, ist eine lange Planungsphase abgeschlossen. Jeder Transport ist immer wieder eine logistische Meisterleistung.

Jedes Jahr bewegen sich etwa 350.000 Schwertransporte durch Deutschland. Wegen ihrer Größe und ihres Gewichts können sie nicht einfach über die Straße transportiert werden. Sie können nicht alle Strecken einfach so befahren und behindern meist den übrigen Verkehr. Damit so ein Transport funktioniert, sind akribische Planung und Durchführung des Transports notwendig.

 

Langsam aber sicher und gesichert zum Ziel

Sehr oft finden diese Transporte nachts statt, wenn sie am wenigsten den übrigen Verkehr behindern. Erst wenn alles gesichert und die Straßen frei sind, kann es mit dem Giganten losgehen. Für eine Strecke von zehn Kilometern, beispielsweise von einem Fabrikgelände zum Hafen, braucht so ein Transport etwa eine Stunde. Eine Strecke die andere Lkw in weniger als zehn Minuten bewältigen.

Die riesigen Schwertransporter bewegen sich nur sehr langsam, brauchen häufig mindestens zwei Fahrspuren, sodass es für einen Fahrer kaum möglich ist, die Strecke ohne Begleitung zu bewältigen. Laut Straßenverkehrsordnung sind diese Transporte eigentlich viel zu groß und viel zu schwer. Die Vorschriften besagen, dass ein Fahrzeug nicht breiter als 2,55 Meter und nicht höher als 4 Meter sein darf. Mit Anhänger darf das Fahrzeug nicht länger als 18,75 Meter sein und das Gewicht darf 40 Tonnen nicht überschreiten. Für solche Transporte gibt es Spezialunternehmen, die sich auf Großraum- und Schwertransporte spezialisiert haben. Sie helfen den Unternehmen Maschinen, Komponenten für Windkraftanlagen, Bauteile von Flugzeugen oder gigantische Gasturbinen zu transportieren, und wissen welche Genehmigungen notwendig sind und haben auch die Fahrzeuge für diese gigantischen Transporte, Fahrzeuge und Auflieger wie sie die Scheuerle Fahrzeugfabrik GmbH herstellt.

 

Regelmäßig Nachtschichten

Laut Bundesverband Güterkraftverkehr machen überdimensionierte Lastzüge etwa fünf Prozent des deutschen Güterverkehrs aus. Um die Verkehrsbeeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten und vor allem auch das Unfallrisiko zu senken, dürfen diese Transporte nur nachts stattfinden, montags bis freitags von 22 Uhr abends bis 6 Uhr morgens. Umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen sind dabei Vorschrift, wie Begleitfahrzeuge mit gelb blinkenden Warnleuchten.

 

Ohne Teamarbeit rollt nichts

Abbildung 2: Im Team sind auch Mitarbeiter, die Hindernisse auf der Fahrstrecke zur Seite räumen und hinterher alles wieder in Ordnung bringen.

Selbst auf kurzen Strecken kommt es öfter zum Stillstand, vor engen Kurven beispielsweise. Ein Begleitfahrzeug fährt vorneweg, um entgegenkommende Verkehrsteilnehmer zu warnen und gegebenenfalls Seitenstraßen oder Kreuzungen kurzfristig abzusperren.

Zum Team gehören auch Mitarbeiter, die den Weg wortwörtlich freimachen. Sie heben Straßenschilder aus ihren Halterungen, legen die schwarz-weißen Leitpfosten, die scherzhaft auch „Pinguine“ heißen, um.

Direkt hinter dem Schwertransport fährt ein weiteres Fahrzeug, das mit gelben Lichtsignalen die nachfolgenden Verkehrsteilnehmer warnt und gegebenenfalls das Überholen verbietet. Aufgabe des nachfolgenden Fahrzeugs ist es auch, alle Verkehrsschilder, Straßenschilder oder Leitpfosten wieder ordnungsgemäß an ihren Platz zu setzen.

 

Die Route austüfteln

Einem solch riesigen Transport geht immer eine lange Planungsphase voraus. Projektplaner legen für jedes Gespann eine individuelle Route fest. Denn nicht alle Straßen sind für so schwere und große Fahrzeuge ausgelegt. Selten ist der kürzeste Weg die richtige Route. Hier sind erfahrene Logistik-Experten gefragt, die wissen, welche Straßen geeignet sind und welche nicht.

 

Genehmigungen einholen

Wenn die Strecke festgelegt ist, müssen die Behörden alles genehmigen. Zunächst ist eine technische Ausnahmegenehmigung erforderlich und danach eine straßenbezogene Erlaubnis, damit der Transport wie geplant stattfinden kann. Dabei müssen alle behördlichen Stellen im Boot sein, auch wenn sie nur für Teilabschnitte zuständig sind. Je nach Anzahl durchfahrener Gemeinden, Kreise und Bundesländer ergibt sich hier eine große Anzahl an Genehmigungen. Die Verkehrsbehörde, die für das Transportunternehmen zuständig ist, übernimmt die Koordination zwischen den einzelnen Polizeistellen, Straßenbaubehörden, Kommunen und weiteren Ämtern.

 

Gilt immer Überholverbot?

Abbildung 3: Wenn das Zeichen für das absolute Überholverbot auf dem Begleitfahrzeug aufleuchtet, dürfen nachfolgende Fahrzeuge nicht überholen.

Für die nachfolgenden Fahrzeuge zeigt das Begleitfahrzeug am Ende der Kolonne an, ob sie überholen dürfen oder nicht. Es trägt ein sogenanntes Wechselverkehrszeichen (WVZ) auf dem Dach. Zeigt es ein Dreieck mit Ausrufezeichen, so ist das lediglich der Hinweis auf eine Gefahrenstelle. Pkws dürfen überholen, sollten aber besonders achtsam und stets bereit zu bremsen sein. Zeigt es hingegen das Zeichen für „Überholen verboten“, darf kein Kraftfahrzeug den Schwertransporter überholen. Das Zeichen für das absolute Überholverbot ist ein roter Kreis mit einem schwarzen und einem roten Pkw im Zentrum. Zeigt es nur das Zeichen für Überholverbot für Lastkraftfahrzeuge, müssen alle Fahrzeuge, die über 3,5 Tonnen wiegen, hintendran bleiben. Kraftfahrer, die die Zeichen ignorieren, müssen mit einem Bußgeld und eventuell sogar mit weiteren Maßnahmen rechnen. Sie begehen eine Ordnungswidrigkeit.

Wenn für einen Schwertransport keine Warn- und Sicherheitsmaßnahmen vorgesehen sind, also beispielsweise weder Polizei noch Hilfspolizei den Transport begleiten, gibt es von den Behörden keine Genehmigung für den Schwertransport. Sicherheit steht immer an erster Stelle.

 

Gefahr von vorne

Insbesondere auf den Landstraßen entgegenkommende Fahrzeuge, die die Warnhinweise der voranfahrenden Begleitfahrzeuge missachten, sind die größte Gefahr. Oft fahren sie wirklich bis an den Schwertransporter, um dann zu erkennen, dass es kein Vorbeikommen gibt. Sie müssen dann wenden oder rückwärts fahren. Das kostet den Schwertransport unnötig Zeit.

Diese Situation entsteht auf Streckenabschnitten über die Autobahn nicht. Dort gibt es allerdings ungeduldige Autofahrer, die trotz Überbreite und kurzfristigem Überholverbot, versuchen an dem Fahrzeug vorbeizukommen. Dabei drängeln sich manche zwischen Schwerlastzug und Leitplanke oder sie rasen über einen Park- oder Rastplatz. Hier kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Die Schwerlastzüge rollen meistens nachts. Kommt schlechtes Wetter hinzu, ist die Sicht noch weiter eingeschränkt. Dann passiert es leicht, dass ein Autofahrer vorstehende Teile am Transporter nicht sieht. Kommt es dann zu einem Unfall, geht das meistens nicht gut aus für den Pkw und seinen Fahrer.

 

Abbildung 1: Pixabay © tscharlie (CC0 Public Domain)

Abbildung 2: Pixabay © lintorfer (CC0 Public Domain)

Abbildung 3: Pixabay © alexas_fotos (CC0 Public Domain)